Wellness by Michael Tomasini

Lounge ist nicht Essen: Reise-Fitness-Feldnotizen

Wer viel reist, lernt zwei Wahrheiten.

Erstens: Dein Zeitplan wird dich im Stich lassen.

Zweitens: Ihr Körper wird das Chaos entweder verstärken oder abmildern.

Diese Woche war geprägt von Flughäfen, Messen, Meetings und einer Verspätung nach der anderen. Das Interessante daran war nicht das Reisen selbst, sondern wie kleine Entscheidungen – Bewegung, Fasten, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und ein paar feste Regeln – verhinderten, dass die Woche komplett im Chaos endete.

Montag: Bewegung zuerst, bewusst gefastet.

Ich wachte im Flughafenhotel in Lyon auf und absolvierte mein Mindestprogramm: Liegestütze, Kniebeugen, Bärengang, Planks. Nichts Außergewöhnliches – nur genug, um mein Nervensystem in Schwung zu bringen, bevor ich mich ins Auto setzte und den ganzen Tag in Meetings verbrachte.

Dann entschied ich mich, zum Mietwagen zu laufen, anstatt den Bus zu nehmen. Ich ging nüchtern: Meine letzte Mahlzeit hatte ich am Vortag um 16:00 Uhr eingenommen, die erste war für das Mittagessen mit Kunden geplant. Bei dieser Entscheidung ging es mir nicht ums Leiden, sondern darum, Zeit und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wenn man weiß, dass man gezwungen sein wird, zu sitzen, kann man sich entweder dem fügen – oder man kann sich im Vorfeld bewegen und das Gefühl haben, den Tag weiterhin selbst in der Hand zu haben.

Dienstag: Die Realität in Zone 2 unter Verkehrsbelastung

Ich begann mit dem Laufbandtraining und versuchte, mich voll auf Zone 2 zu konzentrieren. Selbst das war anstrengender als erwartet. Eine Herzfrequenz von 147 Schlägen pro Minute oder weniger zu halten, fühlte sich an, als würde ich gegen die Gesetze der Physik ankämpfen. Ich musste ständig langsamer werden.

Das ist Reisephysiologie in einem Satz: Was zu Hause einfach ist, kann unterwegs schwierig sein. Schlaf verändert sich. Stress verändert sich. Neue Umgebungen verändern sich. Der Sieg liegt nicht im Ego. Der Sieg liegt darin, im Training durchzuhalten, auch wenn das Tempo nicht schmeichelhaft ist.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Kunden und Kollegen. Anschließend fuhr ich von Valence nach Lyon, um mich für meinen Flug nach London am nächsten Morgen vorzubereiten.

Und obendrein habe ich eine Lektion in Flexibilität gelernt. Eine kurzfristige Änderung hat meine Indienreisepläne komplett umgekrempelt – Mumbai und Chennai statt Mumbai und Bangalore. Dank flexibler Tickets und stornierbarer Hotels konnte ich mich aber ganz entspannt anpassen. Das ist kein Glück, sondern ein ausgeklügeltes System.

Mittwoch: Papierkram und die Lounge-Falle

Die Reise am frühen Morgen offenbarte ein neues Problem: Ich konnte meine Bordkarte für den Anschlussflug nicht erhalten. Am Schalter erfuhr ich, dass eine voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) vorgeschrieben war, und plötzlich hing der gesamte Tag von einem automatisierten Ablauf per Smartphone ab: App herunterladen, Pass-Chip scannen, Selfie machen, abschicken, Bestätigungs-E-Mail, endgültige Genehmigung.

Wäre dieser Prozess fehlgeschlagen, wäre ich gestrandet gewesen.

Es hat funktioniert. Ich habe einen kühlen Kopf bewahrt. Und das ist wichtiger, als viele zugeben. Gelassenheit ist keine Charaktereigenschaft – sie ist eine wichtige Reisekompetenz.

In Frankfurt nutzte ich die Lounge so, wie ich Lounges gerne nutze: zum Trinken und zum Rausgehen. Ich füllte meine Flasche auf, trank Wasser und dann einen kleinen schwarzen Kaffee. Ich mischte UniMate an und nahm es mit ins Flugzeug. Meine Regel war einfach: Die Lounge ist kein Buffet, sondern ein Boxenstopp.

Dann kam die Geduldsprobe: verspäteter Abflug, Warteschleife und Warten am Gate nach der Landung. Der Tag schien immer neue Wartebereiche zu bieten. Die einzige Lösung war Selbstbeherrschung: atmen, umhergehen und die Anspannung nicht in impulsives Essen ausarten lassen.

Nach meiner Ankunft in London fuhr ich direkt vom Flughafen zum ExCeL – ich war zum ersten Mal dort – und schleppte meinen Rollkoffer hinter mir her, da der Check-in im Hotel mich Zeit und Energie gekostet hätte. Diese Entscheidung hat sich gelohnt. Messen sind das genaue Gegenteil von Kaltakquise: Bestehende und potenzielle Kunden an einem Ort, intensive Gespräche, echte Dynamik. Ich blieb von 12:00 bis 17:00 Uhr und verzichtete darauf, vorher oder währenddessen zu essen. Diese Flexibilität im Stoffwechsel führt zu mehr Effizienz im Geschäftsalltag, wenn man nicht an feste Essenszeiten gebunden ist.

Bonus: Ich bemerkte, dass am selben Ort auch eine Weltraumausstellung stattfand und meldete mich für den nächsten Tag an.

Donnerstag: Schnelltourismus + Ausstellungen + die E-Mail-Falle

Am Donnerstagmorgen bin ich eine kleine Runde gelaufen, um meine Fitness zu verbessern. Meine Fitbit-Bereitschaftsanzeige war niedrig (36/100), aber dafür wurde ich mit einem sonnigen Londoner Morgen und vielen Sehenswürdigkeiten belohnt – darunter die Horse Guards in der Nähe des Buckingham Palace. Ich war sicher nicht in Zone 2, und das ist auch gut so. Nicht jeder Lauf ist ein Leistungslauf. Manche Läufe sind einfach zum Erleben da.

Dann wurde das Hotelzimmer zur Falle: E-Mails und Nachrichten von Kollegen, eine kognitive Belastung, die sich zwar wie “Arbeit” anfühlt, aber unmerklich den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Trotzdem brach ich aus und besuchte mit der Elizabeth Line die Ausstellungen „Data Centers“ und „Space“ im ExCeL.

An diesem Abend reiste ich nach Norden, um mit meiner Familie zu Abend zu essen, packte dann meine Sachen und schlief, bevor es am nächsten Tag früh losging.

Freitag: Verkehrschaos, ein kostspieliger Fehler und der Erfolg bei der Wiederherstellung

Der Freitag war ein einziger Reisetag von London nach Leipzig und stellte eine Belastungsprobe dar.

Ich wachte um 5:20 Uhr auf und stellte fest, dass die Piccadilly Line außer Betrieb war. Dann wurde auch noch der Ersatzverkehr gestrichen. In so einem Moment gerät man entweder in Panik – oder man setzt einen bereits einstudierten Notfallplan in die Tat um. Ich hatte Plan B schon am Vortag ausprobiert: zu Fuß/joggen zur Elizabeth-Line-Station und von dort aus weiter.

Ich bin gejoggt. Habe es geschafft. Bin am Flughafen angekommen. Die Sicherheitskontrolle war in Ordnung.

Später, während eines verspäteten Flugabschnitts, machte ich ein 90-minütiges Nickerchen. Dieses Nickerchen war wichtig. Verspätungen sind entweder gestohlene oder gewonnene Zeit; Schlaf macht sie zu einem Pluspunkt.

In den Lounges in München und Frankfurt wiederholte ich die gleiche Disziplin: Wasser, Kaffee bei Bedarf, konzentriertes Arbeiten, keine Snacks zwischendurch. Ich verfeinerte sogar das UniMate-Ritual, indem ich es mit stillem Wasser mischte und die Flasche mit Sprudelwasser auffüllte, um einen anderen Geschmack zu erzielen.

Dann verließ mich das Glück – nicht am Flughafen, sondern aufgrund eines Etikettierungsfehlers.

In Frankfurt stellte ich mir einen Wecker auf 17:00 Uhr, weil ich dachte, die Abflugzeit (17:10 Uhr) wäre die Boardingzeit. Das Boarding begann aber schon um 16:40 Uhr. Ich kam pünktlich um 17:10 Uhr an, aber meine Planung basierte auf dem falschen Zeitpunkt.

Ich hasse Fehler, besonders solche, die Geld kosten und sich wie ein Gesichtsverlust anfühlen. Pünktlichkeit ist mir sehr wichtig. Dieser Fehler hat mein Ego und meine Familienzeit getroffen.

Ich rief meine Familie an. Sie waren verständnisvoll und hilfsbereit. Das war kein schwacher Moment – es war ein sehr starker. Wahre Unterstützung kann aus einer schlimmen Situation eine positive Wendung machen.

Während ich durch das Terminal ging und mich unterhielt, nutzte ich tiefe Atemzüge, um zur Ruhe zu kommen. Es funktionierte. Ich buchte auf einen Flug um 22:00 Uhr um und bezahlte die Gebühr. Ich hielt mich an den Kalorien-Null-Tag und beschloss, das Fasten als Erholung nach dem üppigen Essen am Vorabend zu nutzen.

Dann habe ich die Korrektur vorgenommen: Ich bin zum Tor gegangen. 15 Minuten vor dem Einsteigen für Komfort und Kontrolle.

Das ist die eigentliche Lektion: Man löst diese Probleme nicht mit Selbsthass. Man löst sie mit besseren Systemen.

Wochenende: Zuhause neu starten, Familienrhythmus finden und der nächste Startschuss

Ich kam um Mitternacht nach Hause, schlief ein und wachte vom Duft frisch gebackener Pfannkuchen auf – sowohl normaler als auch veganer –, die mein ältester Sohn und sein Freund zubereitet hatten. Mein etwa 36-stündiges Fasten brach ich mit Knochenbrühe, dann mit Balance und schließlich mit je einem Pfannkuchen von jeder Sorte.

Samstag stand ganz im Zeichen von Familie und Alltagsaufgaben: Auspacken, eine lange To-do-Liste abarbeiten, für die Reise nach Indien packen und mit meinem Jüngsten an einem Baumhausprojekt arbeiten. Das Ganze wurde durch Allergien (Birken- und Haselpollen sind meine absoluten Erzfeinde) gebremst, und die Dusche diente mir anschließend als willkommene Abkühlung.

Am Sonntag trennten sich unsere Wege: Die Jungs fuhren Richtung Nordmazedonien, ich Richtung Mumbai. Wir machten wie gewohnt unseren Morgenspaziergang, um Brötchen zu kaufen, unterhielten uns mit den Nachbarn, frühstückten und dann ging ich die Reisecheckliste durch: Visum, Reisepass, Portemonnaie, Parkplatzreservierung, Allergietabletten. Reibungslose Fahrt nach Leipzig, problemloses Einsteigen und ein ruhiger Flug – schlafen, lesen, Hörbücher hören. Ich begann Ein Fest für die Krähen. Wir sind früh in Frankfurt gelandet, und ich habe die angebotene Schokolade abgelehnt, um meine Kalorienbilanz beizubehalten.

Die Woche in einem Satz

Die Reisebranche versuchte, den Plan zu durchkreuzen. Der Plan lautete nun: Zuerst die richtigen Schritte: Proteine gezielt zu sich nehmen, Disziplin beim Entspannen wahren und sich emotional erholen, wenn das System versagt.

Hinweis: Dies sind persönliche Erfahrungen und Routineabläufe, keine medizinische Beratung.


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