Wellness by Michael Tomasini

Die Lounge ist kein Essen – sie ist Infrastruktur

Feldnotizen aus Woche 9 von Valence





Synthese — 2026-W09


Woche 9 begann im Dunkeln – im wahrsten Sinne des Wortes. Um 3:40 Uhr aufstehen und sich durch die Flughafenlogistik hetzen. Die Fahrt nach Leipzig im Regen verlief ruhig, das Parken war unkompliziert und die Sicherheitskontrolle… nun ja, die Sicherheitskontrolle: Mein Selfie-Stick, der LED-Laufgürtel, der Rasierer und die Kopfhörer in den Schuhen lösten das volle Programm aus: “Acht Leute starren auf den Röntgenscanner”. Dann kam beim Boarding die klassische Überraschung: Ein kleines Kind, das beim Boarding und Pushback schrie, als ginge es um einen Wettkampf. Schließlich hob das Flugzeug ab, mein Nervensystem beruhigte sich und die Woche begann.

Dieser frühe Moment ist entscheidend, denn er gibt die Richtung vor: Reisekomplikationen sind vorprogrammiert. Die einzige Variable ist, ob ich bereits erschöpft am Tag ankomme oder ob ich noch genügend Entscheidungsfreiheit behalte, um den Rest des Tages selbst zu gestalten.

Das Lounge-Paradoxon: Vorteil, Falle oder Werkzeug?

Auf dieser Reise stieß ich direkt auf meinen liebsten Widerspruch: die Lufthansa Lounge. Sie ist ein echter Pluspunkt – Ruhe, bessere Toiletten, Wasser, Entspannung und “kostenloses Essen”. Gleichzeitig ist sie aber auch eine wahre Versuchungsfabrik: endlose Snacks, Süßigkeiten und diese Art von kalorienarmer Bequemlichkeit, die stillschweigend jedes meiner Ziele gefährdet.

Diese Woche habe ich die Lounge als Werkzeug und nicht als Buffet genutzt. Ich habe mich an eine einfache Regel gehalten: Ich habe mich vorher entschieden. Nicht in der Lounge, nicht wenn ich müde bin, nicht beim Stöbern. An einem Tag gab es ein proteinreiches Frühstück, am nächsten Tag nur Wasser, weil ich meine letzte Mahlzeit zu Hause schon getrunken hatte und mein festgelegtes Essensfenster einhalten wollte. Diese Vorab-Festlegung hat jede Versuchung verhindert.

Das Lustigste daran? Ein “kostenloses Upgrade” später in der Woche lehrte mich dieselbe Lektion. Das Upgrade sah zwar nach einem Gewinn aus, war aber letztlich unbedeutend – nur wenige Passagiere hatten tatsächlich Business Class gebucht und das Menü erhalten. Die übrigen Upgrade-Gäste bekamen … nichts. Mir ging es gut, da ich mir bereits im Voraus ein proteinreiches Essen gekauft und eingepackt hatte. Der eigentliche Vorteil beim Reisen war nicht das Upgrade, sondern die Vorbereitung.

Montag: der Systemtag (verhindern → absorbieren → die Rechnung bezahlen)

Der Montag war logistisch vollgepackt. Auf der Fahrt nach Valence hielt ich an einem Rastplatz, um die Toilette aufzusuchen und einen Salat zu essen, da ich wusste, dass das späte Abendessen mit dem Kunden schwieriger werden würde, wenn ich versuchen würde, den Nachmittag über zu fasten. Nach dem Essen machte ich sogar einen kurzen Spaziergang – eine kleine Bewegung, die dem Körper hilft, die Mahlzeit zu verarbeiten und den Kopf vom Stressmodus abzuschalten.

Dann brach das Chaos aus: Die Kundengruppe verspätete sich um über eine Stunde aufgrund eines Missverständnisses bezüglich der Startzeit. Das bedeutete, dass ich die Zeitpläne anderer Leute kurzfristig umstellen musste. Es hatte einige Folgen, aber wir konnten den Tag trotzdem erfolgreich abschließen: Führungen, Meetings und Fortschritte wurden erzielt. Anschließend half ich einem Kunden noch schnell beim Einkaufen im Supermarkt, um Dinge zu besorgen, die er zu Hause nicht so einfach bekommt.

Der Zeitplan wirkte wie ein Filmschnitt: Hotel-Check-in um 19:25 Uhr, Tischreservierung um 19:30 Uhr, anschließend ein spätes Abendessen. Es war ein schöner Tagesabschluss, aber die Müdigkeit war deutlich spürbar. Späte Abendessen haben ihren Preis – manchmal fehlt der Schlaf, manchmal die Energie für den nächsten Tag, manchmal fühlt man sich einfach nur schlapp und müde.

Montags-Ernährungsprotokoll (der Teil, der die Leute wirklich interessiert): Ich habe früh eine Proteinquelle zu mir genommen (Eier und Fleischbällchen), das Mittagessen einfach gehalten (Hähnchen-Caesar-Salat mit sehr leichtem Dressing) und mir trotzdem noch ein Dessert gegönnt (Crème brûlée). Es war kein “perfektes Essen”, sondern bewusstes Essen.

Dienstag und Mittwoch: Die Laufgeschichte (Schlafschulden vs. Schlafdividende)

Dienstag war der Tag, an dem sich das Momentum wieder erholte. Ich startete mit einem Lauf, der auf Zone 2 abzielte, aber Schlafmangel machte es mir schwer, durchzuhalten. Die Zahlen sprachen für sich:

  • Dienstag: 11,49 km, 1:03:17, Durchschnittstempo 5:30 min/km, durchschnittliche Herzfrequenz 169

Das ist nicht Zone 2. Mein Körper signalisiert mir, dass er überlastet ist. Ich habe das Training trotzdem beendet, aber es war einer dieser Tage, an denen Plan und Biologie aufeinandertreffen – und die Biologie gewinnt.

Der Mittwoch war der Lohn. Ich hatte am Dienstagabend auf das Abendessen verzichtet und auf ausreichend Schlaf geachtet: weniger Licht, kein Blaulicht, ein ruhigerer Abend, Kreatin und Ashwagandha sowie bewusstes Entspannen. Ich wachte erholt auf. Außerdem tat ich etwas, das ich liebe, weil es alles viel übersichtlicher macht: Ich setzte mir eine feste Deadline. Rasieren, Zähne putzen, joggen, bis 8:15 Uhr zurück im Hotel – genug Zeit zum Duschen und für das Meeting am Morgen, aber keine Zeit fürs Frühstück. Das war kein Verzicht, sondern eine bewusste Entscheidung. Die Bewegung am Morgen signalisiert mir, wie der Tag verlaufen wird.

  • Mittwoch: 12,17 km, 1:10:10, Durchschnittstempo 5:46 min/km, durchschnittliche Herzfrequenz 152

Gleiche Stadt, ähnliche Strecke, etwas langsameres Tempo, längere Distanz, mehr Höhenmeter – und eine um 17 Schläge pro Minute niedrigere durchschnittliche Herzfrequenz. Das ist der Vorteil von mehr Schlaf. Das ist Zone 2, die wieder Realität wird.

Die Kombination aus Hotel und Fitnessstudio: Beständigkeit statt Komfort

Eines Abends traf ich eine einfache Entscheidung: Ich ließ das Abendessen ausfallen und trainierte stattdessen. Zuerst schätzte ich meinen VO₂-Wert auf dem Fahrrad (basierend auf der Herzfrequenz, daher ein ungenaues Signal, kein verlässlicher Wert) und erhielt einen Wert von 57. Anschließend absolvierte ich ein Ausdauertraining: 37:24 Minuten, zurückgelegte Strecke 8,2 km, durchschnittliche Herzfrequenz 150 Schläge pro Minute. Zum Abschluss machte ich Krafttraining.

Mein Lieblingsrezept aus dieser Trainingseinheit war simpel: Klimmzüge: 4 Sätze à 5, Qualität 5/5. Saubere Wiederholungen. Keine Kompromisse. In Reisewochen brauche ich keine perfekten Workouts. Ich brauche wiederholbare Erfolge.

Die Bestätigung eines Profis… und wie Erwachsene sie anwenden.

Eines Abends beim Abendessen traf ich den Mannschaftsarzt eines spanischen Radsportteams. Wir sprachen über Reisestress, Schlaf, Regeneration und Nahrungsergänzungsmittel. Er war ein großer Befürworter von Kreatin – in seinen Augen quasi “Spitzenklasse” – sowie von Elektrolyten und den üblichen Grundlagen. Es war ein sehr gutes Gespräch, aber ich betrachte es nicht als wissenschaftliche Bestätigung. Ich sehe es einfach als das, was es war: ein wertvoller Datenpunkt, der meine bisherige Vorgehensweise bestätigt.

Der fehlende Hebel: Ballaststoffe (und warum Balance zweimal täglich geholfen hat)

Diese Woche lief vieles gut: proteinreiche Ernährung, geplante Fastenphasen, besserer Schlaf und Bewegung trotz Einschränkungen. Mir ist aber auch etwas aufgefallen: Ballaststoffe kamen zu kurz. Das ist typisch für Geschäftsreisende – Proteine sind leicht zuzubereiten, Gemüse und Hülsenfrüchte sind nicht immer die erste Wahl, und an Flughäfen sind cremige Dressings sehr beliebt.

Hilfreich war unter anderem die zweimal tägliche Einnahme von Balance als Ballaststoff-“Sicherheitsnetz”, insbesondere in Zeiten, in denen die Lebensmittelversorgung unübersichtlich war. Das Positive daran: Das System hat auch unter Druck funktioniert. Die Optimierung für nächste Woche ist ebenfalls einfach: Behalten Sie Ihre Proteinstrategie bei und ergänzen Sie Ihre Ernährung täglich mit einer ballaststoffreichen Zutat aus natürlichen Lebensmitteln (z. B. Salatbasis, Gemüsesuppe, Obst oder Hülsenfrüchte, sofern verfügbar).

Neues Experiment: Glycin (Vorschau auf den nächsten Beitrag)

Ich habe mich über Glycin informiert und es bestellt. Ich möchte es als Regenerations- und Systemunterstützungsexperiment ausprobieren – insbesondere im Hinblick auf die Schlafqualität und die körpereigenen antioxidativen Prozesse (die oft im Zusammenhang mit Glutathion diskutiert werden). Ich erwarte keine Wunder. Ich werde es regelmäßig einnehmen, einige Daten erfassen (Schlafqualität, Heißhunger, Trainingsempfinden, Gewichtsentwicklung) und nach ein paar Wochen berichten.

Dies ist eine Vorschau: Ein zukünftiger Beitrag wird ein sachlicher Erfahrungsbericht über Glycin sein.

Allergiesaison: Die Einschränkung, die ich nicht durch Disziplin überwinden kann

Die Woche hielt auch eine ärgerliche Erinnerung bereit: Pollen machen keinen Unterschied zwischen Motivation und Laune. Nach dem Laubharken zu Hause traf mich die Haselnusspollenbelastung mit voller Wucht, und ich wachte nachts mit Augen-, Hals- und Nasenbeschwerden auf. Medikamente halfen zwar, machten mich aber auch müde. Ich überlege, wie Fasten, Schlafschutz und die Vermeidung von Pollenbelastung die “Doppelbelastung” der Allergien – Symptome und Schlafstörungen – lindern können.

Ich mag es nicht, Medikamente zu brauchen. Noch weniger mag ich es, Schlaf und Leistungsfähigkeit einzubüßen, weil ich versucht habe, die Allergiesaison mit Gewalt zu überstehen.

Ergebnis Woche 9: stabiles Gewicht, verbesserte Körperzusammensetzung

Mein Gewicht blieb stabil bei etwa 77 kg, aber mein Körperfettanteil sank leicht. Genau solche Wochen vertraue ich: langsamer Fortschritt ohne Drama. Es ist auch möglich, dass die Kreatineinnahme die Wassereinlagerungen in den Muskeln erhöht und so den Fettabbau auf der Waage verschleiert. Wie dem auch sei, das Ziel bleibt dasselbe: hartnäckiges Fett abbauen und gleichzeitig die Ausdauer für den Istanbul-Halbmarathon verbessern.

Die wichtigsten Erkenntnisse der 9. Woche (und die Schlussszene)

In Woche 9 ging es nicht um Perfektion, sondern um den Beweis.

Als das Reisechaos eintrat, verließ ich mich nicht auf Willenskraft. Ich verließ mich auf meine Gewohnheiten:

  • Die Lounge als Infrastruktur, nicht als Speiselokal
  • Vorentscheidungen vor der Versuchung
  • Schlafschutz als Leistungsinstrument
  • Zone 2 als Einschränkung, nicht als Stimmung
  • “Belege” statt Geschichten (4×5 Pull-ups, Qualität 5/5)

Und ich bekam genau das Ende, das ich mir öfter wünsche: Wir kamen etwa 15 Minuten früher in Lyon an, und ich konnte im Flugzeug schlafen. Statusvorteile sind schön. Schlafvorteile sind noch besser. Reisen kostet Energie, wenn ich mir nicht bewusst welche zurücknehme – und diese Woche habe ich das getan.

Das Upgrade nächste Woche ist einfach: Wir behalten das System bei, fügen Ballaststoffe als fehlenden Hebel hinzu – und beginnen das Glycin-Experiment mit ehrlicher Dokumentation.

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